Night of Music trotzt der Wirtschaftskrise

mit freundlicher Genehmigung der Hohenloher Zeitung

Night of Music trotzt der WirtschaftskriseÖhringen - Die Öhringer Night of music geht in die zehnte Runde. Gegründet hat sie der Pfedelbacher Heiko Volkert. Im Gespräch mit Hagen Stegmüller erläutert der 39-Jährige, warum das Event so beliebt ist.

Wie kamen Sie im Jahr 2001 auf die Idee, für Öhringen eine Musiknacht zu organisieren?

Heiko Volkert: Es gab in Leipzig ein vergleichbares Festival, wo man für wenig Geld relativ viel Musik erleben konnte. Ich dachte, dass man das auf Öhringen übertragen kann. Zudem war die Zeit der großen Konzerte in der Kultura vorbei. Wir hatten ja mal Saga und Barclay James Harvest hier.

Bei der ersten Musiknacht haben Sie 1400 von 1800 Karten verkauft. War das in Ihren Augen ein Erfolg?

Volkert: Prinzipiell ist es ein Erfolg, wenn alles gut läuft und es den Leuten gefallen hat. Die Stimmung in den sieben Lokalen war überall gut. Sie war sogar so gut, dass wir die Night of music im ersten Jahr gleich zweimal veranstaltet haben, also im Herbst nochmal. Danach blieb es beim Frühjahrs-Termin.

War es schwer, Unterstützung von Sponsoren zu bekommen. In welchem Maß sind Sie überhaupt auf Förderer angewiesen?

Volkert: Ohne Förderer wäre es nicht machbar, sonst ginge es am Ende höchstens null auf null aus und dann hätte das Ganze keinen Sinn.

Jetzt ist die Wirtschaftskrise da. Spüren Sie die Auswirkungen?

Volkert: Die Organisation für die zehnte Night of music fing bereits im Mai 2008 an. So standen alle Sponsoren im Sommer fest. Dafür bin ich dankbar. Ich glaube aber, dass die Sponsoren trotz Finanzkrise zu weiterem Engagement bereit gewesen wären. Sie sind schon lange dabei und es handelt sich um keine Unsummen.

Wie viel Mühe und Verhandlungsgeschick braucht man, um ein dutzend Bands nach Öhringen zu locken?

Volkert: Das Problem ist nicht die Anzahl der Bands, sondern die Qualität. Man braucht Leistung zu einem vernünftigen Preis. Hilfreich ist dabei der Donnerstag als Veranstaltungstag. An einem Tag, der nicht aufs Wochenende fällt, sind weniger Bands ausgebucht.

Welche finanziellen Arrangements treffen Sie mit den Gruppen?

Volkert: Man muss da gar nicht mehr viel verhandeln. Ich sage zu den Bands: „Zu diesem Preis könnt ihr spielen oder ihr könnt es lassen.“ Die Öhringer Night of music ist immer ausverkauft. Für die Bands ist das eine gute Gelegenheit, sich einer großen Zahl von Menschen zu präsentieren. Wenn man da einen Durchlauf von 1500 bis 2000 Leuten hat, dann weiß ich als Band, dass ich auch von anderen Organisatoren bemerkt und gebucht werde. Außerdem sind die Medien präsent, das ist für die Bands schon interessant.

Einige Öhringer Kneipen haben in den letzten Jahren dichtgemacht. Wie schwer war es, Ersatz zu finden?

Volkert: Glücklicherweise haben wir dieses Jahr ziemlich viele Innenstadt-Lokale, genau zehn Stück. Es sind einige Cafés dazugekommen. Das sind zwar keine typischen Kneipen, aber die Stimmung kann auch dort gut sein. Das hat sich letztes Jahr im Ochsenhandel Bort gezeigt, da war's rappelvoll. Unabhängig von der Musiknacht wären Öhringen aber noch zwei schöne Kneipen zu wünschen.

Worauf führen Sie die Beliebtheit der Night of Music zurück?

Volkert: Man trifft sich dort, das ist ein bisschen wie Pferdemarkt. Zudem ist die Musik gut. Insgesamt hat man vier Stunden, in denen man einen unbeschwerten Abend verbringen kann - und das zu einem moderaten Preis.

Ohne Alkohol kommt auch die Night of Music nicht aus. Woran liegt es, dass es bislang nie Schlägereien oder Ärger gab?

Volkert: Zum einen gibt es einen guten Sicherheitsdienst mit 30 Leuten, zum anderen ist der Altersdurchschnitt der Besucher höher als bei vergleichbaren Konzerten. Es sind viele 40- bis 60-Jährige dabei, die einfach einen schönen Abend haben wollen und sich nicht zuschütten.

Kann alles so bleiben oder müssen Sie an manchen Dingen feilen?

Volkert: Der Mix aus Rock, Pop, Soul und Neue Deutsche Welle gefällt den Besuchern, da muss man ihnen nichts anderes aufzwingen. Es gibt aber immer Verbesserungen. Dieses Jahr wird in allen 13 Lokalen gleichzeitig Pause gemacht, damit die Leute nicht in ein Lokal kommen und unerwartet feststellen, dass gerade keiner spielt.

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